Der Titel ist ungewollt provokativ. Er drückt aber leider konkret aus welcher Problematik wir als Gesellschaft im Zuge der Bewahrung von Wildbienen gegenüberstehen, wenn die Imkerei in Städten wie Berlin immer mehr zunimmt. Aber warum ist das eigentlich so?

Allein in Deutschland gibt es laut dem Bienenexperten Paul Westrich (Stand: 07/2018) etwa 570 verschiedene Bienenarten. Davon sind 569 Wildbienen die alle, anders als die verbleibende Honigbiene, ohne menschliche Unterstützung überleben können und sehr effektiv der Bestäubung von Pflanzen nachgehen.

Viele Gespräche mit Mitmenschen und unsere Erfahrung in der Umweltbildung zeigen, dass den meisten Menschen nur als einzige Bienenart nur die Honigbiene bekannt ist. In den Medien wird ebenfalls überwiegend von der Honigbiene berichtet, und oft versäumt auf die vielen Wildbienenarten hinzuweisen und über diese zu berichten, was dazu führt das dass Wort ‚Honigbiene‘ fälschlicherweise mit dem Wort ‚Biene‘ gleichgesetzt wird.

Neben der einseitigen Berichterstattung dazu in den letzten Jahren, ist die Ursache dafür auch in der Bildung zu suchen. Honigbienenvölker werden gerne dafür genutzt um den Menschen Bienen näher zu bringen, da diese gut an Schaukästen gezeigt werden können. Wildbienen leben dahingegen oft versteckt und sind nicht jederzeit zugänglich. Die Nester müssen bekannt sein und es gibt, je nach Wetterlage und Lebenspanne, nur einen bestimmten Zeitraum in dem Wildbienen aktiv sind.

Die derzeitige Diskussion zum Sterben der Insekten und damit dem Rückgang von Bestäubern führt dazu, das fast ausschließlich von der Honigbiene gesprochen wird, obwohl laut Roter Liste Honigbienen als sehr häufig und als nicht gefährdet eingestuft sind (Westrich 2007).

Was ist die Rote Liste?

Dies ist eine Liste der gefährdeten Arten die auf wissenschaftlichen Fachgutachten basiert. In diesen wird der Gefährdungsstatus von Arten für einen bestimmten Raum (Berlin, Deutschland, etc.) auf Basis der Bestandsgröße und der Bestandsentwicklung angegeben (BfN 2017).

Nach dieser aktuellen Roten Liste sind laut Paul Westrich (2007) 52 % aller Wildbienenarten in Deutschland (289 von 555 untersuchten Arten) mehr als die Hälfte als bestandsgefährdet eingestuft, 38 Arten sind bereits ausgestorben oder fehlen, 24 gelten als extrem selten und 43 sind auf der Vorwarnliste für die Rote Liste. Es sind insgesamt 227 Bienenarten den Kategorien der Roten Liste Deutschlands zugeordnet: 25 Arten sind vom Aussterben bedroht, 81 Arten stark gefährdet, 88 gefährdet, 33 Arten Gefährdung unbekannten Maßes. 

Und das sind nur die Zahlen der Wildbienenarten. Hinzu kommen noch viele andere Bestäubergruppen, wie Fliegen, Falter, Grabwespen, Käfer, und Vögel von denen viele Arten ebenfalls auf Roten Listen stehen. Bleiben wir aber bei den Bienenarten, da die Datenlage hierzu meist besser ist, als zu anderen Bestäubern.

Unterschiede zwischen Wildbienen und Honigbienen

Innerhalb der Bienen gibt es verschiedene Abstufungen in der Art wie sie leben, sprich ihrem Sozialverhalten. Einige wenige Wildbienenarten leben in Völkern (z.B. Hummeln) oder kooperieren miteinander, aber die meisten wildlebenden Arten sind sogenannte Einsiedlerbienen (solitäre Bienen, wie die Fuchsrote Sandbiene). Daneben gibt es die domestizierte staatenbildende westliche Honigbiene die nicht zu den Wildbienen zählt.

Honigbienenvölker umfassen in der Regel zwischen 40.000 bis 60.000 Individuen, und es existiert eine Arbeitsteilung (jede "Arbeiterin" durchläuft im Laufe Ihres Lebens verschiedene Aufgaben) wie Brutpflege, gegenseitige Fütterung und es leben mehrere Generationen zusammen. Die Honigbiene wird vom Imker in der Regel in Bienenkisten, auch Bienenbeuten oder Beute genannt, gehalten, die mit Wachsplatten ausgestatteten Rähmchen bestückt werden. Dies erspart der Honigbiene bereits die Arbeit der Nestsuche und des Nestbaus. Die seltenere Form der Haltung von Honigbienen ist die wesensgerechte Haltung, die den Bienen den Freiraum in einer Beute bzw. einem Holzkasten gibt, selbst das Nest ohne vorgegebenen Rähmchen zu bauen, und geht mit weniger Honigertrag für den Imker einher. Aber auch diese Bienenhaltung kommt langfristig nur dem Nutztier Honigbiene zu Gute.

Und ja, die Honigbiene ist ein Nutztier wie Huhn, Schwein oder Rind. Sie ist komplett auf den Menschen angewiesen und muss beim Veterinäramt gemeldet werden, da durch die besondere Form der Haltung Honigbienenkrankheiten (z.B. Amerikanische Faulbrut, Nosemose, etc.) sehr schnell um sich greifen können und sogar auf Wildbienen übertragbar sind. Der Vergleich wie Hund zu Wolf, Hühner zu Wildvögeln oder Honigbiene zu Wildbienen ist durchaus zutreffend.

Die Honigbiene hat zudem den Vorteil das sie in schweren Zeiten immer eine Unterstützung durch den Imker hat. Nahrungsengpässe werden bei Bedarf durch die Zugabe von Zuckerwasser überbrückt, und Krankheiten werden durch Behandlungen mit Ameisen- oder Oxalsäure versucht einzudämmen. Sie unterliegen deshalb keiner natürlichen Regulation mehr durch Klima, Parasiten, Krankheiten oder auch dem Nahrungsangebot. Dies macht sie gegenüber den Wildbienen deutlich wettberwerbsfähiger. Zudem ist die heute von Imkern gehaltene Honigbienenart (Apis mellifera) längst nicht mehr die eigentlich in Deutschland heimische Honigbienenart.

Dies wäre die westliche Honigbiene (Apis mellifera ssp. mellifera), auch Dunkle Honigbiene genannt, die ursprünglich aus Europa kommt und in Deutschland und großen Teilen Europas aber mittlerweile als ausgestorben gilt. Grund dafür sind Kreuzungen / Züchtungen der heimischen Art mit asiatischen Arten, die die heimische Art verdrängt haben und mittlerweile so hochgezüchtet sind, dass sie ohne Imker nicht mehr alleine überlebensfähig wären.

Die meisten Bienenarten leben als Einsiedler

Wildbienen sind zwar Wildtiere, werden aber ihrem Namen nicht gerecht und sind ganz im Gegenteil sehr viel sanfter als die Honigbiene. Dadurch das sie keine Staaten bilden und auch aufgrund fehlender Honigproduktion uninteressant für Imker sind, unterliegen sie einer natürlichen Regulation durch das Klima, Parasiten, Krankheiten oder auch dem Nahrungsangebot.

Alle Wildbienenarten überleben ganz ohne menschliche Hilfe, wenn sie nicht in Form von Ackergiften, Bodenversiegelung oder Klimawandel stark durch den Menschen bedroht wird.

Die meisten Wildbienenarten sind Einzelgänger (Einsiedlerbienen) und jedes Weibchen ist Königin und Arbeiterin zugleich. Die meisten Wildbienen betreiben Brutfürsorge, d. h. ein einzeln lebendes Bienenweibchen baut das Nest (etwa 50 % aller Wildbienenarten bauen ihre Nester im Erdboden) und beschafft Pollen und Nektar, legt Eier und stirbt vier bis sechs Wochen nach Vollendung ihrer Aufgabe. Ein Bienenweibchen baut meist mehrere Nester mit jeweils mehreren Brutzellen im Laufe Ihres Lebens. In einer Brutzelle entwickelt sich eine Bienenlarven und durchläuft eine vollständige Verwandlung (holometabol) zum erwachsenen Insekt. Ist diese abgeschlossen überwintert die Wildbiene im Boden bis zum nächsten Jahr wenn ihre Zeit wieder kommt. Aufgrund dieser Lebensweise dsieht die Mutterbiene ihre Brut nicht mehr und stirbt nach der Anlage der Nester. Aufgrund der nur kurzen Zeit nach dem Schlupf der neuen Wildbiene, legen sich diese ins Zeug und haben eine 2 bis 3 mal höhere Bestäubungsleistung als Honigbienen was vor allem aus Sicht der Artenvielfalt bzw. deren Erhalt sehr wichtig ist.

Garibaldi und seine Kollegen wiesen 2013 in einer Untersuchung nach, dass bei 100 % der untersuchten Nutzpflanzen durch den Besuch wildlebender Insekten mehr Früchte als üblich gebildet wurden. Hingegen zeigten sich durch den Besuch von Honigbienen bei nur 14 % der Nutzpflanzen mehr Früchte als üblich. Dies unterstreicht die effektivere Bestäubungsleistung durch wildlebende Insekten, wie Wildbienen. Javorek und seine Kollegen (2002) haben die Bestäubungs-Effektivität untersucht und herausgefunden, dass bei einer Heidelbeerenart die Honigbiene (Apis mellifera) eine einzige Blüte bestäubt hat, während dessen eine Hummelkönigin im gleichen Zeitraum 6,5 Blüten und eine Sandbiene 3,6 Blüten bestäubt haben.

Wildbienen fliegen je nach Größe, bei der Nahrungssuche deutlich kürzere Strecken (100 – 1100 m*) als die Honigbiene (5,5 km). Dies ist vor allem im ländlichen Raum für die Honigbiene ein Vorteil, da sie bei abgeblühten Monokulturen auch weitere Strecken fliegen kann, um an Nahrung zu gelangen. Auch aus diesem Grund lassen sich heutzutage auch mehr Wildbienenarten in der Stadt finden.

Alle Wildbienenarten sind heimische Arten und sind zum Teil sogar auf einzelne Pflanzengattungen oder -familien spezialisiert, die dadurch auch zum Teil ebenfalls von Wildbienenbestäubung abhängig sind.

Warum können Honigbienen einen negativen Effekt auf Wildbienen haben?

Die Dichte der Honigbienenvölker ist in vielen Großstädten mitllerweile sehr hoch. Neben der Stadtimkerei setzt sich seit Jahren die Hobbyimkerei in urbanen Bereichen durch und schafft eine massive Nahrungskonkurrenz zu den ohnehin schon bedrängten städtischen Wildbienenarten, die ebenfalls durch Versiegelung, Spritzmittel und bauliche Besonderheiten bedroht sind.

Auch Peter Maske (Präsident des Deutschen Imkerbundes) sieht das die Problematik der Dominanz von Honigbienen in Städten wie Berlin und sagte bereits im Jahr 2014: „Wir haben zum Teil sogar eine Übervölkerung. In Berlin gibt es mittlerweile bis zu 1000 Völker, bei denen man nicht weiß, wo sie stehen.“

Im Land Brandenburg liegt die Dichte der Honigbienenvölker bei 0,58 Völker/km². In Berlin hingegen die Dichte bei 6,05 Völker/km² (Bienenjournal 2015). Das verfügbare Nahrungsangebot wird für Wildbienen wird durch die zunehmende Dichte von Honigbienenvölkern über das Frühjahr und den Sommer immer geringer.

Durch den eingeschränkten Aktionsradius der Wildbienenarten kann die hohe Dichte von Honigbienenvölkern zu einer starken Nahrungskonkurrenz führen und sich auf die Fortpflanzung auswirken. Das unter bestimmten Bedingungen, die Anwesenheit von hohen Dichten der Honigbiene sich nachteilig auf Wildbienen und somit auf deren Fortpflanzung und Fitness auswirken wurde bereits durch Studien bestätigt (Herbertsson et al. 2016, Goulson et al. 2009). Dies ist insbesondere gegeben, wenn für Honigbienen als auch spezialisierte Bienenarten nur begrenzte Nahrungsressourcen zur Verfügung stehen. Herbertsson und Ihre Kollegen fanden raus, dass Honigbienen die Dichte von Hummeln beeinflussen können, dies jedoch von der Vielgestlaltigkeit der Landschaft abhängt. So können Honigbienen in blütenarmen Lebensräumen Hummeln verdrängen.

Nektar ist eine wichtige Nahrungsquelle vor allem für die ausgewachsenen Bienen, aber auch für die Nahrung der Larven ist Nektar essentiell.  Pflanzen bieten nicht gleichermaßen Pollen und Nektar. Es gibt Pflanzen die bieten entweder nur Pollen oder nur Nektar. Honigbienen tragen für Ihr Brut ebenso Pollen als Nahrung ein. Gerade in Ihrer Ernährung spezialisierte Bienen (etwa 31 % der Bienen in Deutschland sind sogenannte oligolektische Arten, welche ausschließlich Pollen einer bestimmten Pflanzenart oder nah verwandter Pflanzenarten sammeln) können durch eine starke Dichte an Honigbienenvölkern gefährdet werden.

Durch ein höheres Vorkommen von Honigbienen, steigt auch die Gefahr der Krankheitsübertragungen durch Honigbienen auf Wildbienen, da sie sich die gleichen Blüten teilen. Wildbienen sind empfänglich für Krankheiten (Viren, Bakterien, Pilze), die durch Honigbienen übertragen werden (Ravoet et al. 2014, McMahon 2015). Da Wildbienen nicht auf die Kraft eines ganzen Volkes mit mehreren 10.000 Individuen zurückgreifen können, erleidet jede einzelne betroffene Wildbiene dadurch Einbußen hat bzw. stirbt einfach. Wildbienen können zudem aufgrund ihres einsiedlerischen Lebens nur schwer unterstützt werden.

Der größter Vorteil der Honigbiene ist: Ihr Honig

Dieser ist das Produkt vom Nutztier Honigbiene, und es besteht natürlich bei beruflichen Imkern auch ein wirtschaftliches Interesse dahinter ihre Tiere zu fördern. Aus diesem Grund ist auch die Honigbiene die einzige Insektenart, die solch eine starke Lobby hervorbringen konnte, die sich in vielen Bereichen und vor allem in der Politik für die Honigbiene stark macht. Grundlegend ist dagegen nichts einzuwenden und vor allem bewirkte diese Lobbyarbeit erst, das dass Thema Insekten- und Bestäubersterben eine große Reichweite auch in die Bevölkerung hinein erfuhr (leider durch die nicht bedrohte Art). Auch das sich Imkereiverbände gegen den Einsatz von Ackergiften stark machen kommt auch den wildlebenden Bestäubern zu Gute und man kann dankbar für diese Entwicklung sein.

Kehrseite der Medaillie allerdings ist, wenn falsch bzw. schlecht informierte Politiker eine Strategie zum Schutz der Bestäuber entwickeln lassen, die aufgrund der umfassenden Arbeit der Imkerlobby die Honigbiene als fast alleiniges Ziel dieser Fördeurng im Fokus hat und im schlimmsten Fall sogar andere Bestäuber wie bereits gefährdete Wildbienen noch stärker gefährdet.

Wildbienen haben keine bzw. nur eine bisher sehr kleine Lobby, auch wenn sich dies momentan etwas verbessert durch die brisante Studie des Bestäubersterbens aus 2017 und der damit verbundenen größeren mediale Aufmerksamkeit auch auf Wildbienen und andere Bestäuber hin. Dies führt zu mehr politischen Aktionismus und Förderungsmöglichkeiten zur Förderung von Bestäubern.

Was machen wir als YLP für Bestäuber, insbesondere Wildbienen?

Wir von Your Little Planet unterstützen bereits Wildbienen, unter anderem eine der größten Berliner Wildbienenkolonien der Fuchsroten Sandbiene in Berlin. Ebenso fördern wir deren Lebensraum und das Angebot an Nahrungsflächen, melden konkrete Bestände von Wildbienenarten an die zuständige Naturschutzsbehörde und Flächeneigentümer. Im Zuge dessen wollen wir auch anderen Menschen diese tollen und sanften Tiere näher bringen und bieten dazu Wildbienenführungen an und die Möglichkeit sich an Projekten, wie unserer Schaffung von Blühflächen für Bestäuber zu beteiligen.

Was kann man als Einzelner tun, um Wildbienen zu unterstützen?

Es gibt in Großstädten bereits eine sehr hohe Dichte an Honigbienenvölkern, deshalb legen wir jedem, der sich mit Bienen beschäftigen möchte ans Herz, sich auf die Wildbienen zu konzentrieren, da diese wirklich Unterstützung benötigen. Jeder kann hierbei etwas tun, egal ob in der Stadt oder auf dem Land, egal ob Balkon oder Garten (Tipps zu Nahrungspflanzen siehe unten). Gut besonnte vegetationsarme Flächen sind als Nistraum ebenso beliebt wie größere Fugen zwischen Pflastersteinen (z. B. Berliner Pflaster).

  • Bereitstellung von Nahrungspflanzen für Bestäuber: Jeder kann seinen Balkon oder im Garten mit regionalem Saatgut für Nahrungspflanzen für Bestäuber beflanzen die dann wunderschöne und vielfältige Blühaspekte ergeben. Einige Anbieter für regionales Saatgut (bitte Produktionsräume beachten!) für die Regionen Berlin/ Brandenburg sind:
    - NagolaRe
    - Rieger-Hofmann GmbH
    - natura-samen
    - SaatenZeller
  • Die Saatmischung sollte individuell auf den Standort angepasst werden, d. h. die Bodenverhältnisse, Feuchtigkeit sowie Beschattungsanteil sollte bei der Wahl des Saatguts berücksichtigt werden.
  • Bei der Saatmischung für Bestäuber sollte man darauf achten, dass der Gräseranteil maximal 10 % beträgt, da sich Gräser ohnehin über die Zeit hinweg durchsetzen durch natürliche Einträge von Wind, Vögeln und auf anderem Wege

Forderung an NGOs, Vereine & Stiftungen, öffentliche Einrichtungen, Bezirksämter, etc.

  • Umdenken bei der Umweltbildung, um den Fokus von nur einer einzigen Art, der Honigbiene, auf die Vielzahl an bestäubenden Arten wie Wildbienen, Falter, Käfer, Fliegen, Vögel und andere zu lenken
  • Bildung von Mitarbeitern in Ämtern, die thematisch nicht direkt mit Bestäubern zu tun haben, jedoch Entscheidungen zu solchen themenbezogenen Maßnahmen treffen, die Bestäuber fördern sollen [Wildbienen interessieren sich nicht für Kuchen in Cafés ;-) ]

Forderung an die Politik

  • Entwicklung ausgewogener Strategien, welche die Artenvielfalt unterstützen und nicht bedrohen
  • Weitere Versiegelung von Flächen vermeiden bzw. Flächen entsiegeln und renaturieren
  • Berliner Pflaster (Mosaikpflaster) und Fugenraum erhalten
  • Blühflächen im städtischen Raum schaffen – artenarme Grünflächen zur Umwandlung in artenreiche Blühflächen mit reichhaltigen Angebot an Blühpflanzen
  • Bildungspolitik: Wildbienen und andere Bestäuber beim Thema Biodiversität in der Schule thematisieren
  • Schaffung der Grundlagen für eine naturnahe Landwirtschaft ohne Pestizide und mit natürlichen Gegenspielern von Schädlingen

Forderung an die Imker, Vereine und Verbände

Wir möchten an dieser Stelle nochmals zum Ausdruck bringen, das wir sehr dankbar für die Bemühungen der Imkervereine und -verbände sind. Ohne sie würde das Thema Bestäubersterben noch in den Kinderschuhen stecken.

Trotzdem dürfen diese Bemühungen nicht in eine falsch verstandene Förderung nur einer einzelnen nicht gefährdeten Bienenart münden, und damit zu Lasten der wirklich gefährdeten Wildbienenarten und Falter werden. Wir hoffen auf ein Verständnis bei allen verantwortungsvollen Imkervereinen und deren Mitglieder sowie den Verbänden und deren Unterstützung in dieser Angelegenheit um eine nachhaltige Förderung für alle Arten sicherzustellen.

 

Quellen und weiterführende Literatur

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