Am 08.11.2017 stellten die Fraktion der SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen den Antrag eine berlinweite Strategie zum Schutz und zur Förderung von Bienen und anderen Bestäubern zu entwickeln. Mit Beschluss vom 17.05.2018 wurde der Startschuss für die Entwicklung dieser Strategie gegeben.

Folgende Schwerpunkte sollen laut dem Abgeordnetenhaus bei der Bearbeitung der Strategie mindestens berücksichtigt werden:

  1. durch Öffentlichkeitsarbeit den Berliner/-innen die Bedeutung von Bienen für ein lebenswertes Berlin zu vermitteln,
  2. die Schulung der Mitarbeiter/-innen der Veterinärämter im Bereich der Bienenkunde und der Mitarbeiter/-innen der Grünflächenämter im Bereich der Pflanzen- bzw. Bienennährgehölzkunde,(*)
  3. die Unterstützung und Vernetzung der Imkerausbildung mit hohen Qualitätskriterien,(*)
  4. Einwirken auf die Freie Universität Berlin, um die Stelle des Imkermeisters an der FU zu erhalten,(*)
  5. Unterstützung von Projekten zur Haltung von Bienenstöcken in Kitas, Schulen, Bildungseinrichtungen, öffentlichen Einrichtungen, in Kleingärten und auf Wohngebäuden,(*)
  6. Prüfung der Einrichtung und Ausweisung von Bienenschutzgebieten in Abstimmung mit den Imkern/Imkerinnen und Veterinärämtern,(*)
  7. eine Verbesserung des Nahrungsangebots für Bienen und andere Bestäuber durch die Anpflanzung und den Schutz von vorhandenen Bienennährgehölzen wie Weiden, Obstgehölzen, Wildrosen, Efeu und Stauden sowie die Bereitstellung von geeigneten Orten zur Aufstellung von Bienenstöcken auf den Grundstücken landeseigener Betriebe,(*)
  8. in öffentlichen Grünanlagen sollen die Bedingungen für das Überwintern der Wildbienenbrutzellen und der Hummeln am Boden signifikant verbessert werden, dafür ist die Grünflächenpflege neu zu konzeptionieren, auf das Entfernen des Laubs ist weitestmöglich zu verzichten,
  9. Entwicklung einer Strategie gegen die Amerikanische Faulbrut.(*)

Dem Antrag und Beschluss ging eine Kampagne voraus, die durch Imkerverbände und -vereine bzw. Abgeordneten, die diesen nahestehen und selber Imker sind, vorangetrieben wurde. Aus diesem Grund liest sich der Antrag maßgeschneidert (mit * markiert) für die Honigbiene (eine einzige Art). Kaum bis gar nicht berücksichtigt wurde die unglaubliche Menge anderer Bestäuber (allen voran die etwa 570 Wildbienenarten, Falter, Fliegen, Grabwespen, Vögel und andere).

Da wir aufgrund unserer Tätigkeiten viele Berührungspunkte mit Wildbienen, deren Rettung bzw. deren Förderung haben, sehen wir hier die massive Förderung nur einer einzigen Art zu Lasten der vielen anderen Bestäuber mit zu erwartenden drastischen Auwirkungen.

Wir begrüßen durchaus z. B. den Punkt 3, da dieser sicher stellt das mehr fachkundige Imker die Honigbienenenhaltung betreiben und somit Krankheiten, die ebenfalls Wildbienen gefährlich werden können, weniger ausbrechen und besser unter Kontrolle gebracht werden können.

Allerdings sehen wir vor allem Punkt 5 und Punkt 7 als äußerst problematisch, da durch die Schaffung weiterer Stellflächen für Honigbienen eine zu große Konkurenz für Wildbienen und andere Bestäuber geschaffen wird bei der derzeitigen Futterlage. Wir haben dazu bereits im Beitrag Imkern ist kein Naturschutz und kann Wildbienen bedrohen dargelegt, warum die Richtung dieses Beschlusses kein Naturschutz ist und schon gar kein Schutz der Artenvielfalt aufgrund des starken Einfluss der Honigbiene auf viele Wildbienenarten.

Wir werden uns zukünftig für eine Anpassung dieser Strategie stark machen, um ein ausgewogenes Verhältnis in der Förderung aller Arten zu erreichen, die für die Bestäbung relevant sind. Wir rechnen damit, dass unser Vorstoß vielen Imkern bzw. Imkervereinen- oder verbänden nicht gefallen wird, da Honig ein wirtschaftlicher Faktor ist und unter besonderen Bedingungen auch durch EU-Agrarfördertöpfe bedient wird. Wir hoffen aber auch auf Unterstützung aus diesen Reihen, da wir auch Imker kennen die sich leidenschaftlich für die Vielfalt der Natur begeistern und auch einsetzen und die z.B wie Peter Maske (Präsident des Deutschen Imkerbundes) durchaus die Problematik der Dominanz von Honigbienen in Städten wie Berlin sehen und verstehen.

„Wir haben zum Teil sogar eine Übervölkerung. In Berlin gibt es mittlerweile bis zu 1000 Völker, bei denen man nicht weiß, wo sie stehen.“, Peter Maske (2014), Präsident des Deutschen Imkerbundes,

Wir sehen die Gefahr, das eine solche Hauptstadtstrategie auch von anderen Bundesländern bzw. Städten übernommen werden könnte.

Wir haben bereits den Mitinitiator der Strategie Herrn Turgut Altuğ (Bündnis 90/Die Grünen) nach seinen Plänen zum Schutz der anderen 570 Wildbienenarten gefragt sowie bereits unsere Vorschläge zur Anpassung der Strategie im Rahmen der Akteurgespräche gemacht.

Wir updaten hier alles Relevante zu dem Thema:

14.06.2018 - E-Mail an den Mitinitiator der Strategie Herrn Turgut Altuğ (Bündnis 90/Die Grünen) sowie 9 Kolleg-/-innen mit der Frage wie er im Zuge der starken Förderung von Honigbienen die Wildbienen Berlins schützen bzw. fördern will. (unbeantwortet)
28.06.2018 - Nachfrage bei Herrn Turgut Altuğ (Bündnis 90/Die Grünen) ob er nicht unsere Anfrage vom 14.06.2018 beantworten möchte da auch renomierte Wildbienenexperten gespannt auf seine Antwort sind (unbeantwortet)
26.06.2018 - 1. Akteursgespräch: Gruppe der Naturschutzverbände (welche teilnahmen ist uns bislang nicht bekannt)
27.06.2018 - 2. Akteursgespräch: Gruppe der Imkervereine und -verbände (welche teilnahmen ist uns bislang nicht bekannt)
04.07.2018 - 3. Akteursgespräch: Gruppe der Berliner Wohnungsunternehmen in der der Senatsverwaltung
05.07.2018 - 4. Akteursgespräch: Gruppe der Vereine, Projekte und Initiativen in der der Senatsverwaltung

Artikel dazu:

Imkern ist kein Naturschutz und bedroht zunehmend Wildbienen