Wir haben uns damals intensiv für den Erhalt einer der größten Berliner Wildbienenkolonien der Fuchsroten Sandbiene (Andrena fulva) im Berliner Stadtteil Lankwitz eingesetzt. Nur kontinuierliche Achtsamkeit und Rücksprache mit Experten bewahrte diese wertvollen Bestäuber vor Baumaßnahmen, Versiegelung, falschen Maßnahmen von GaLaBau-Firmen und mehr.

Zur Stärkung dieser Kolonie an Wildbienen und anderer Bestäuber, sowie dem Wunsch das nachbarschaftliche Miteinander wiederzubeleben, wollen wir ein Pilotprojekt mit Blühflächen in Lankwitz etablieren, welches Botschafter für weiterführende Vorhaben sein soll.

Bereits vor der aufrüttelnden Studie aus dem Jahr 2017 (80% weniger Insekten in Naturschutzgebieten als noch vor 30 Jahren), konnte man selbst feststellen, dass etwas mit den Insektenpopulationen in Deutschland nicht stimmte (HALLMANN ET AL. 2017). Immer weniger Schmetterlinge flogen herum und so manch erfahrener Autofahrer, der viel über Bundesstraßen fährt, wundert sich, dass in diesen Zeiten seine Autoscheibe ungewöhnlich sauber bleibt und nicht mehr vor Insektenleichen strotzt.

Insekten sterben – seit Jahrzehnten und in großen Mengen. Mit Ihnen sterben auch unsere Bestäuber und in der Nahrungskette klaffen bereits jetzt massive Lücken. Verschiedene Einflussfaktoren erhöhen den Rückgang wichtiger Bestäuber (Abundanz & Vorkommen) wie Wildbienen. Neben den Krankheiten, die mitunter durch Honigbienen und gehaltene Hummeln auf Wildbienen übertragen werden (FÜRST ET AL. 2014), gibt es sehr entscheidende menschliche Ursachen für den Rückgang der Bestäuber.

Wir möchten uns zunächst bei dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, insbesondere beim Grünflächenamt bedanken, da wir im Januar 2018 mit offenen Armen bei der Vorstellung unseres Projektes empfangen wurden. An dieser Stelle bedanken wir uns besonders bei dem kommissarischen Leiter des Grünflächenamtes Herrn Fußwinkel, der die Vorbereitung der Flächen unterstützt ebenso wie der Grünflächen-Revierleiter im Gemeindepark Lankwitz Christian Schmidt der mit viel Herz dabei ist.

Die ersten zwei Flächen, die wir gemeinsam mit Mitbürgern, Nachbarn und Interessierten in blühreiche Flächen umwandeln, sind folgende:

Die untere Wiesenfläche (Blühfläche 1) hat eine Größe von etwa 1.700 m², und wird von der Gallwitzallee und der Mühlenstraße flankiert. Sie wird sehr wenig von Menschen besucht, aufgrund der Nähe zur lauten Hauptstraße.

Blühfläche 1 im Gemeindepark Gallwitzallee/ Mühlenstraße

Die andere Wiesenfläche (Blühfläche 2) kann man unten sehen und hat eine Größe von etwa 2.100 m. Sie liegt direkt vor dem Maria-Rimkus-Haus und wurde damals als Heuwiese genutzt. Die Wiese wird ebenfalls nur selten besucht, auch aufgrund des "Betreten verboten"- Schildes, welches immer noch aufgrund der damaliegen Nutzung als Heuweise dort steht. Vereinzelt finden sich hier sonnenliebende Besucher oder Hundebesitzer mit ihren Tieren bzw. ein dezenter Trampelpfad durch die trotzdem geschützte Grünanlage ist. Die hier scheinende Sonne können zukünftige Pflanzengesellschaften nutzen, um über einen Großteil des Tages Pollen und Nektar für Bestäuber bereit zu stellen.

Blühfläche 2 im Gemeindepark vor dem Maria-Rimkus-Haus

Beide Flächen haben den Vorteil, dass sie eine ausreichende Größe haben, um durch die Flächengröße auch Lebensräume bieten zu können, anstatt nur ein Futterangebot. Durch die Nähe beider Flächen zueinander ist ein Wechsel der Tiere zwischen den Flächen möglich und sinnvoll. Dies ermöglicht Nahrungsquellen für Bestäuber, Nistplätze und Futterangebot für Vögel. Und die Menschen die zur Naherholung in den Gemeindepark Lankwitz kommen, finden ein natürlicheres und auch buntes Landschaftsbildelement zum spazieren gehen, inne halten oder auch beobachten.

Durch das Anlegen von Blühflächen bzw. das Umbrechen vorhandener artenarmer, von Gras dominierten Grünflächen in Blühwiesen im städtischen Raum, werden Nahrungspflanzen für bestäubende Insekten bereitgestellt, die Artenvielfalt gefördert und gemeinsam mit Nachbarn und Anwohnern strukturreiche Kieze für Mensch und Natur geschaffen.

Da der Status „geschützte Grünanlage“ nicht von jedem verstanden wird und daher eine Teilnutzung nicht ausgeschlossen bleibt, hoffen wir, dass alle Besucher des Parks den entstehenden Blühflächen eine Chance geben und diese wirklich als geschützten Grünflächen verstehen. So können sich die zarten Triebe und ersten Pflanzen über die nächsten Jahren gut entwickeln und sich die erwünschte blütenreiche Wiese entfalten. Wir hoffen ebenfalls, das Hundehalter ihre Liebsten nicht grade auf diesen Flächen spielen bzw. ihr Geschäft verrichten lassen. Grund: Dieser zusätzliche "Dünger" ist für die Arten welche wir dort ansiedeln wollen nicht gut, da diese vorwiegend nährstoffarme Böden bevorzugen. Dies ist auch mit ein Grund warum wir in den kommenden Jahren über eine angepasste Mahd (Mähen) die Flächen abmagern (Nährstoffe mindern) wollen.

Welches Saatgut verwenden wir?

Wir haben über die letzten Monate an einer besonderen Mischung gefeilt, welche insgesamt etwas über 40 verschiedene Wildkräuter / Stauden enthält, die vor allem mit weniger Niederschlägen und Nährstoffen auskommen. Das Saatgut haben wir über den Anbieter Rieger-Hofmann GmbH bezogen, da diese regionales Saatgut liefern, welches in den Regionen geerntet wurde, in denen diese auch ausgebracht werden sollen. In unserem Fall (Berlin) ist es das Nordostdeutsche Tiefland. Berücksichtigt haben wir dabei aber auch Arten, welche in Berlin mittlerweile als "gebietseigen" gelten und oft sogar einen Gefährdungsstatus haben.

Wie wird das aussehen?

Das ist eine gute Frage, denn hier diktiert vor allem Mutter Natur. Neben dem Boden, spielen auch Faktoren wie Temperaturen und Niederschläge über das Jahr, Schattenfall durch nahe Bäume, Vandalismus durch Betreten der Fläche durch Menschen und Hunde eine Rolle. Davon hängt ab welche der Arten sich schlußendlich dort ansiedeln werden und welche nicht. Insofern ist es auch irgendwie beruhigend das wir eben doch nicht alles beeinflussen können was die natürlichen Ursachen betrifft und somit selber überrascht werden.

Wie geht’s weiter – nächste Schritte:

  • Anfang September: Saatgut steht bereit
  • In den nächsten Wochen im September werden vom Grünflächenamt die Flächen umgebrochen, dafür wird auf Regen gewartet
  • Nach dem Regen sollten die Flächen noch ein paar Wochen ruhen als Vorbereitung vor der Aussaat
  • Für die Aussaat werden wir einen Wochenendtermin zwischen Ende September und Mitte Oktober auswählen und kurzfristig nach Feststehen des Umbruchs der Fläche auf unserer Webseite, via E-Mail sowie in den Sozialen Medien ankündigen
  • mit einer Ansaat-Stärke von 1,6 g pro Quadratmeter wird das Saatgut auf beiden Flächen verteilt

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Wer will uns unterstützen und wer will etwas gutes für Bestäuber tun?

Jeder, der Lust hat uns von Your Little Planet! im Projekt "Blühende Kieze - Für Bestäuber und Mensch" bei der Aussaat und Schaffung von Blühflächen im Kiez Lankwitz zu unterstützen, meldet sich am besten vorab mit dem Betreff/Stichwort "Blühende Kieze" bei uns unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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